Zähneknirschen? Das können Sie dagegen tun

Zähneknirschen, medizinisch „Bruxismus“ genannt, ist weit verbreitet und doch wenig erforscht. Meistens passiert das Zähneknirschen im Schlaf und bleibt häufig unentdeckt, da die ersten Symptome auch mit vielen anderen Ursachen in Verbindung gebracht werden können. Beim Zähneknirschen entsteht ein extrem starker Druck von bis zu 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter, da der Kaumuskel einer der stärksten Muskeln unseres Körpers ist und durch das Zähneknirschen zusätzlich trainiert wird. Die Folge sind stark abgenutzte Zähne und ausgeprägte Schmerzsyndrome. Erfahren Sie jetzt mehr über das Zähneknirschen und was Sie dagegen tun können!

Zähneknirschen

Was versteht man unter Zähneknirschen auch genannt Bruxismus?

Die Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) definiert Bruxismus als Parafunktion – einen nicht natürlichen Gebrauch des Kauorgans. Dabei werden die Zähne mit großer Krafteinwirkung aufeinander gepresst, was einen Verschleiß der Zähne zur Folge hat und das Kiefergelenk sowie einige Muskelgruppen belastet. Wissenschaftlich ist das Zähneknirschen noch wenig untersucht. Es gibt in der Literatur zu wenige Studien, um von gesicherten Erkenntnissen bezüglich der Ursachen für den Bruxismus sprechen zu können.

Woran erkennt man das Zähneknirschen?

Meist wird das Zähneknirschen im Schlaf praktiziert, daher kann man es an Verspannungen und Schmerzsymptomen im Gesicht, Kopf und Nacken am Morgen erkennen. Oft wird das Zähneknirschen auch durch den Zahnarzt aufgrund einer starken Abnutzung der Zähne diagnostiziert.

Zähneknirschen Ursachen (Bruxismus)

Bestehende Studien und Umfragen zu den Ursachen für das Zähneknirschen zeigen folgende auf:

  • Stress
  • Schlafstörungen
  • Funktionelle Störungen des Kiefergelenks (craniomandibuläre Dysfunktion)
  • Genussmittel wie Alkohol, Koffein und Nikotin
  • Bestimmte Medikamente
  • in selteneren Fällen auch Krankheiten und anatomische Ursachen wie die obstruktive Schlafapnoe (Atemaussetzer im Schlaf), Minderdurchblutungen (Ischämien), Epilepsie, Parkinson Syndrom, Chorea Huntington und das Restless-Legs-Syndrom (unruhige Beine)

Zähneknirschen

Lange Zeit galten auch Zahnfehlstellungen sowie unpassende Füllungen und Kronen als Ursache für den Bruxismus. Somit wurden beim Zahnarzt häufig aufwändige und schmerzhafte Prozeduren durchgeführt, um die Position der Zähne zu verändern – jedoch ohne Erfolg. Eine Fehlstellung der Zähne spielt mit großer Sicherheit keine Rolle für die Entstehung von Bruxismus. Forscher sind heute überzeugt, dass das zentrale Nervensystem das unnötige aufeinanderpressen der Zähne steuert und dieses wiederum reagiert auf unsere innere Befindlichkeit. Die wohl häufigsten Ursachen für das Zähneknirschen sind psychischer Natur.

Zähneknirschen Symptome und wie kann man diese erkennen?

An folgenden Symptomen lässt sich das Zähneknirschen erkennen:

  • Schmerzsyndrome in der Kiefer-, Kopf- und Nackenmuskulatur und im Kiefergelenk (Craniomandibuläre Dysfunktion)
  • Muskelkater
  • Kopfschmerzen
  • Tinnitus (Ohrengeräusche)
  • Schwindel
  • Sehstörungen
  • Übelkeit
  • Vergrößerte Kaumuskeln, die das Gesicht breiter und leicht viereckig wirken lassen
  • Schleifspuren an den Zähnen sowie abgewetzte Kronen und Füllungen
  • Schmerzempfindliche Zähne
  • Abdrücke der Zähne in Wangen und Zunge

Ist das Zähneknirschen eine Krankheit?

Das Zähneknirschen zählt zu den sogenannten Parafunktionen und wird nicht als Krankheit bezeichnet. Zu den Parafunktionen des Kauapparates zählt auch das Wangen-, Lippen- und Zungenbeißen, das Zungenpressen (gegen Gaumen oder Zähne) und das Kauen auf Fingernägeln oder Gegenständen. Viele Menschen führen eine dieser Bewegungen regelmäßig aus, wenn auch unbewusst. Die meisten dieser Parafunktionen haben jedoch keine schwerwiegenden Folgen für den Körper. Beim Zähneknirschen hingegen entstehen Schäden an Zähnen, Kiefergelenken und der stabilisierenden Muskulatur des Kopfes, die bis über den Nacken reicht.

Zähneknirschen

Ist das Zähneknirschen erblich bedingt?

Leider ist bis heute nicht hundertprozentig geklärt, ob das Zähneknirschen auch erblich bedingt auftreten kann. Da die häufigste Ursache jedoch der Umgang mit Stress ist, ist es sehr unwahrscheinlich, dass Bruxismus vererbt wird.

Wie stark ist das Zähneknirschen verbreitet?

Das Zähneknirschen ist weit verbreitet. Es gibt keine genauen Zahlen, aber die Bundeszahnärztekammer geht davon aus, dass ein Drittel der Menschen nachts mit den Zähnen presst oder knirscht. Vielen Betroffenen ist gar nicht bewusst, dass sie mit den Zähnen knirschen, da dies meist im Schlaf auftritt.

Zähneknirschen im Schlaf

Die meisten Menschen knirschen im Schlaf mit den Zähnen. Durch die unbewusste Aktivität wundern sich Betroffene oft über Schmerzsymptome am nächsten Morgen und bringen diese nicht mit dem Zähneknirschen in Zusammenhang.

Nasenscheidewand

Warum tritt das Zähneknirschen häufig im Schlaf auf?

Die häufigste Ursache für das Zähneknirschen ist Stress. Das Zähneknirschen ist eine ungesunde Art, den Stress zu bewältigen. Dies geschieht meist in der REM-Schlafphase. Auch Träume sind Mechanismen zur Verarbeitung von Stress und auch sie treten meist in der REM-Schlafphase auf.

Zähneknirschen Folgen

Die Folgen des Zähneknirschens sind starke muskuläre Verspannungen im Gesicht, Kopf-, Hals- und Nackenbereich, Muskelkater und Kopfschmerzen. Schwindel, Benommenheit und Tinnitus. Die Zähne sowie Zahnkronen und Füllungen werden stark abgenutzt und es kann sogar zum Verlust von Zähnen kommen. Wenn die Gelenkscheiben durch die große Krafteinwirkung verrutschen, kommt es zu Bewegungseinschränkungen und Schmerzen. Bruxismus sollte in jedem Fall behandelt werden, da das Zähneknirschen eine enorme Belastung für den gesamten Kopf- und Kieferbereich mit sich bringt.

Gibt es unterschiedliche Formen des Bruxismus?

Bruxismus wird in folgenden Formen unterschieden:

Zentrischer und exzentrischer Bruxismus
Beim zentrischen Bruxismus werden die Zähne und Kiefer stark aufeinander

gepresst, wobei Kräfte von bis zu 480 Kilogramm pro Quadratzentimeter wirken. Bei dieser Form des Bruxismus sind die wahrscheinlichsten Symptome Muskelkater, Kiefergelenksschmerzen und Verspannungsschmerzen im Gesicht-, Kopf- und Nackenbereich.

Beim exzentrischen Bruxismus werden die Zähne gegeneinander gerieben, wobei ein lautes Knirschgeräusch entsteht. Bei dieser Form des Bruxismus sind die wahrscheinlichsten Symptome die Abnutzung der Zähne und Abdrücke der Zähne in Zunge und Wangen.

Zähneknirschen im Schlaf und im Wachzustand
Die meisten Menschen knirschen unbewusst im Schlaf mit den Zähnen, somit ist der nächtliche (nocturnale) Bruxismus, auch Schlafbruxismus genannt, die häufigste Form.

Seltener ist der diurnale Bruxismus, also das Zähneknirschen tagsüber. Hierbei werden oft in Phasen der Konzentration oder Nervosität die Kiefer stark aufeinander gepresst.

Primärer und sekundärer Bruxismus
Beim primären Bruxismus lassen sich keine medizinischen Ursachen für das Zähneknirschen finden. Beim sekundären Bruxismus hingegen kann das Zähneknirschen mit psychischen oder neurologischen Störungen, Schlafstörungen oder Medikamenteneinnahmen in Verbindung gebracht werden.

Zähneknirschen bei Babys und Kindern
Bei Babys besteht beim Zähneknirschen kein Grund zur Sorge. Etwa die Hälfte aller Babys fangen schon vor dem ersten Lebensjahr an, mit den Zähnen zu knirschen. Damit werden die einwachsenden Milchzähne eingeschliffen und meist verschwindet der Bruxismus mit dem Verlieren der Milchzähne wieder.

Bei Schulkindern hingegen kann das Zähneknirschen auf Stress hinweisen und es sollte geprüft werden, ob das Kind nervös, überfordert oder unterfordert ist, Probleme mit den anderen Kindern hat oder familiäre Gründe in Frage kommen.

Zähneknirschen

Zu welchem Arzt sollte man bei Verdacht auf Bruxismus gehen?

Oft ist es der Zahnarzt, der den Bruxismus aufgrund einer starken Abnutzung der Zähne diagnostiziert. Dieser kann eine Beißschiene verordnen, die bei Nacht getragen wird. Leider beheben die sogenannten „Knirscherschienen“ nicht das Problem, sondern schützen lediglich die Zähne, bis der Betroffene die Schiene wortwörtlich durchgebissen hat. Muskuläre Schmerzsymptome bleiben oft bestehen, denn der Kaumuskel (Musculus masseter) bleibt weiterhin übermäßig aktiv.

Eine Umgewöhnung kann möglicherweise mit einer „Entspannungsschiene“ stattfinden, die bei spezialisierten Zahnärzten erhältlich ist. Diese sorgt dafür, dass die Zähne beim Beißen nicht mehr aufeinanderpassen. Ziel ist es, das gestörte Zusammenspiel von Muskeln und Nerven in Kiefer und Gesicht zu entkoppeln, um dem Patienten das Zähneknirschen abzugewöhnen. Für diese Therapie braucht es Geduld und eine Umgewöhnung ist nicht garantiert. Leider übernehmen die Krankenkassen die Entspannungsschiene nicht vollständig.

Eine gute Adresse bei Bruxismus ist in den meisten Fällen auch der Psychotherapeut. Um eine vollständige Heilung zu erreichen, ist es oft nötig, sich mit dem eigenen Stress auseinanderzusetzen und sich selbst bewusster wahrzunehmen. Stressbewältigung, Therapien zur Resilienzstärkung, Achtsamkeitstraining, Yoga, Qigong und Meditation können helfen das Problem bei der Wurzel zu packen.

Idealerweise kombiniert man die psychologischen Ansätze übergangsweise mit einer Botox®-Therapie bei einem Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Dieser Wirkstoff wird seit vielen Jahren zur Entspannung der Muskulatur bei verschiedensten medizinischen Indikationen angewendet, bei denen die Muskulatur beispielsweise für Schmerzen oder unnatürliche Bewegungen sorgt. Der Kaumuskel wird entspannt und kann sich nicht mehr übermäßig anspannen. Der Vorteil ist, dass schon die einmalige Behandlung mit Botulinumtoxin nach wenigen Tagen Wirkung zeigt. Das Zähneknirschen hört auf und der Kaumuskel wird bis auf die normale Beißkraft geschwächt. Die Symptome werden, bis auf die Abnutzung der Zähne, sofort behoben und durch die Schwächung des zu starken Muskels tritt auch langfristig eine Besserung ein.

Bruxismus Therapien – was hilft wirklich gegen Zähneknirschen?

Die wirkungsvollste Therapie mit der schnellsten Besserung der Symptome bietet die Behandlung mit Botulinumtoxin, da der Muskel sich innerhalb weniger Tage entspannt und die übermäßige Aktivität verhindert wird.
Da die Behandlung alle 4 – 6 Monate wiederholt werden muss, macht es natürlich Sinn, eine langfristige und vollständige Heilung anzustreben.

Die langfristig erfolgsversprechenden Therapien sind psychologische Ansätze: Selbstbeobachtung, Stressregulation, Entspannungstechniken und Resilienzstärkung. Diese nehmen Zeit und Geduld in Anspruch, können das Zähneknirschen aber vollständig heilen.

Die Knirscherschiene reduziert die Abnutzung der Zähne und entlastet das Kiefergelenk. Die Knirscherschiene verhindert jedoch nicht die übermäßige Aktivität des Kaumuskels und ändert nichts an der ungünstigen Stressbewältigung. Die Entspannungsschiene hilft einigen Betroffenen sich das Zähneknirschen abzugewöhnen, hier sollte man aber Geduld mitbringen und ggfs. zur Überbrückung zusätzlich mit Botulinumtoxin therapieren.
Physiotherapie und Osteopathie können helfen, die Symptome zu lindern, führen aber in den meisten Fällen nicht zur vollständigen Heilung. Auch im Bereich des Biofeedbacks gibt es Behandlungsversuche, bei denen akustische Signale an den Betroffenen das Bewusstsein für den Bruxismus schärfen und damit zur Abgewöhnung führen sollen.

Zähneknirschen

Warum behandelt man das Zähneknirschen eigentlich mit Botox®?

Das Zähneknirschen mit Botox® zu behandeln ist deshalb so erfolgreich, weil es zweifach wirkt: Die Entspannung des Muskels innerhalb weniger Tage nach der Behandlung führt zu einer sofortigen Besserung der Symptome und die langfristige Schwächung des Muskels durch die geringere Aktivität verringert die Kraft des zu starken Kaumuskels. Positiver Nebeneffekt ist auch ein schlankeres Gesicht, da der Muskel wieder seine normale Größe erreicht. Bei Menschen mit besonders starken Symptomen des Zähneknirschens macht es Sinn, Behandlungsmöglichkeiten mit sofortiger Wirkung in Anspruch zu nehmen. Zudem sollte aber auch an der eigenen Stressregulation gearbeitet werden, damit das Zähneknirschen langfristig vollständig geheilt werden kann und keine Therapien mehr notwendig sind. Wer lange genug mit dem Muskelentspanner therapiert, wird sich zwar die Bewegung des Zähneknirschens höchstwahrscheinlich auch abgewöhnen, da man sie einfach nicht mehr ausführt, jedoch ist Zähneknirschen ein Anzeichen für einen unguten Umgang mit Stress und hier sollte man in jedem Fall genauer hinsehen.

Welche Mittel gegen Zähneknirschen werden von der Krankenkasse gezahlt?

Die Krankenkassen übernehmen die Kosten für die einfache Knirscherschiene, zum Großteil auch für Physiotherapie und Psychotherapie. Die Kosten für die Entspannungsschiene, Therapien mit Biofeedback und Behandlungen mit Botulinumtoxin werden nicht von den Krankenkassen übernommen.

Kann man das Zähneknirschen verhindern?

Verhindern kann man das Zähneknirschen kurzfristig nur mit der Botulinumtoxin-Behandlung und langfristig mit einer gesunden Stressregulation. Die meisten Therapieansätze bessern die Symptome, halten den Muskel aber nicht von seiner übermäßigen Aktivität ab.

Ist Bruxismus vollständig heilbar?

Bruxismus ist vollständig heilbar, doch hier sollte man Geduld mitbringen. Da die Parafunktion meist durch den eigenen Umgang mit Stress entsteht, gilt es hier anzusetzen. Doch Stressregulation lässt sich nicht über Nacht erlernen, genauso wie lang einstudierte Bewegungen sich nicht von heute auf morgen ändern. Hier können Botulinumtoxin-Injektionen die Therapiezeit erleichtern und die Symptome sofort beheben.