Manche Frauen wissen schon seit der Pubertät, dass ihre Brust anders aussieht als bei anderen. Sie ist eher schmal, wirkt spitz oder fällt durch einen deutlich vorgewölbten Warzenhof auf. Jahrelang halten sie ihre Brust für „einfach klein“ oder „etwas hängend“, bis sie irgendwann auf Begriffe wie Schlauchbrust, Rüsselbrust oder tubuläre Brust stoßen und sich plötzlich wiederfinden.
Dabei handelt es sich um eine angeborene Entwicklungsvariante, bei der sich bestimmte Bereiche der Brust nicht vollständig ausbilden. Typisch sind eine schmale Brustbasis, eine hochstehende Unterbrustfalte und ein vorgewölbter Warzenhof, allerdings nicht immer in gleicher Ausprägung.
Wer eine tubuläre Brust erkennen möchte, sollte deshalb weniger auf die Größe als auf die Form achten. Welche Merkmale typisch sind, welche Schweregrade unterschieden werden und welche Möglichkeiten der Korrektur es gibt, erklärt dieser Ratgeber.
Was ist eine tubuläre Brust?
Eine tubuläre Brust ist eine angeborene Entwicklungsvariante der Brustdrüse, bei der vor allem der untere Teil der Brust zu wenig Gewebe ausbildet. Die Brust wächst dadurch nicht in die Breite, sondern eher nach vorne, wodurch die – wie der Name schon sagt – schlauchartige Form entsteht. Sie kann eine Brust oder beide Brüste betreffen, häufig in unterschiedlicher Ausprägung.
Die Begriffe Schlauchbrust und Rüsselbrust sind umgangssprachlich und werden von manchen Frauen als verletzend empfunden. Medizinisch spricht man von einer tubulären Brust. Im deutschen Diagnoseschlüssel ist sie unter der angeborenen Fehlbildung der Brust eingeordnet.
Wie häufig die Form vorkommt, ist schwer zu beziffern, weil viele Frauen nie eine Ärztin oder einen Arzt darauf ansprechen. Eine Untersuchung an Frauen, die eine Brustvergrößerung wünschten, fand bei einem großen Teil zumindest einzelne tubuläre Merkmale. Leichte Formen sind also wahrscheinlich deutlich verbreiteter als die ausgeprägten Bilder, die man aus Fachbüchern kennt.
Tubuläre Brust erkennen: Die typischen Merkmale
Eine tubuläre Brust erkennen Sie an einer Kombination aus Merkmalen, von denen nicht alle gleichzeitig vorliegen müssen. Je mehr davon zutreffen, desto wahrscheinlicher ist die Einordnung.
- Schmale Brustbasis: Die Brust setzt am Brustkorb auf einer kleinen Fläche an und wirkt eher wie aufgesetzt als wie eingebettet. Zwischen beiden Brüsten bleibt oft ein breiter Abstand.
- Hochstehende, kurze Unterbrustfalte: Die Falte unter der Brust sitzt höher als üblich, und der Abstand zwischen Brustwarze und Falte ist kurz. Der untere Teil der Brust ist kaum ausgebildet.
- Fehlende Fülle unten: Das vorhandene Gewebe sammelt sich hinter dem Warzenhof. Nach unten hin fehlt die Rundung, die eine Brust normalerweise hat.
- Vorgewölbter, oft vergrößerter Warzenhof: Weil das Gewebe nach vorne drängt, wölbt sich der Warzenhof vor und wirkt größer, als es zur Brust passt. Dieses Merkmal ist für viele Frauen das auffälligste.
- Seitenunterschied: Beide Brüste sind häufig unterschiedlich stark betroffen, manchmal ist nur eine Seite tubulär.
Wenn Sie sich in zwei oder drei dieser Punkte wiedererkennen, lohnt sich eine ärztliche Untersuchung.
Kleine Brust, hängende Brust oder Rüsselbrust? So unterscheiden Sie

Der wichtigste Unterschied liegt, wie bereits erwähnt, in der Form, nicht in der Größe. Eine kleine Brust kann vollkommen normal geformt sein, und eine abgesunkene Brust hat meist genug Gewebe, nur an der falschen Stelle. Die tubuläre Brust unterscheidet sich von beiden durch die schmale Basis und die hochstehende Falte.
| Kleine Brust | Abgesunkene Brust | Tubuläre Brust | |
|---|---|---|---|
| Brustbasis | Normal breit | Breit | Schmal |
| Unterbrustfalte | Normale Höhe | Normale Höhe | Zu hoch, kurzer Abstand zur Brustwarze |
| Brustwarze | Mittig, normaler Warzenhof | Unterhalb der Falte, oft nach unten gerichtet | Oberhalb der Falte, Warzenhof vorgewölbt und vergrößert |
| Unterer Brustbereich | Vorhanden, nur klein | Vorhanden, nach unten verlagert | Fehlt oder ist kaum ausgebildet |
| Typischer Zeitpunkt | Seit der Pubertät | Nach Schwangerschaft, Gewichtsabnahme, mit dem Alter | Seit der Pubertät |
Für die Entscheidung über eine Korrektur ist diese Unterscheidung wesentlich. Bei einer abgesunkenen Brust reicht häufig eine Bruststraffung, bei einer kleinen Brust eine Brustvergrößerung. Bei einer tubulären Brust muss zuerst das eingeschnürte Gewebe gelöst werden, sonst behält die Brust ihre Form, egal wie viel Volumen hinzukommt.
Welche Schweregrade gibt es bei der tubulären Brust?
Die gebräuchlichste Einteilung unterscheidet vier Schweregrade. Sie richtet sich danach, welche Bereiche der Brust fehlen und ob genug Haut vorhanden ist.
| Grad | Befund | Was Sie selbst sehen |
|---|---|---|
| Grad 1 | Der untere innere Bereich der Brust ist unterentwickelt | Die Brust wirkt leicht spitz, die Falte sitzt etwas zu hoch, Größe und Warzenhof sind meist unauffällig |
| Grad 2 | Der gesamte untere Bereich fehlt, die Haut reicht aus | Die Brust ist kleiner, unten flach, die Brustwarze kann leicht nach unten zeigen |
| Grad 3 | Der gesamte untere Bereich fehlt, zusätzlich fehlt Haut | Die Brust ist deutlich schmal, der Warzenhof wölbt sich sichtbar vor |
| Grad 4 | Alle Bereiche der Brust sind unterentwickelt | Sehr schmale, röhrenförmige Brust mit stark vorgewölbtem Warzenhof und sehr hoher Falte |

Woher kommt eine tubuläre Brust?
Die genaue Ursache ist bis heute nicht abschließend geklärt. Die verbreitete Erklärung geht von einem verdickten Ring aus Bindegewebe um den Warzenhof aus, der die Brustdrüse in der Pubertät daran hindert, sich nach unten und zur Seite auszudehnen. Das Gewebe weicht deshalb nach vorne aus, dorthin, wo der Widerstand am geringsten ist.
Für Sie bedeutet das: Die Form ist angeboren und entsteht während des Brustwachstums. Weder Ernährung noch Sport, BH-Tragen oder Verhalten in der Jugend haben Einfluss darauf.
Lässt sich eine Rüsselbrust ohne OP korrigieren?
Nein, eine tubuläre Brust lässt sich ohne Operation nicht umformen. Das Bindegewebe, das die Brust einschnürt, reagiert weder auf Training noch auf Cremes, Massagen oder Unterspritzungen. Auch eine Brustvergrößerung mit Eigenfett allein verändert die Form nicht, solange das einschnürende Gewebe nicht gelöst wird.
Ein gut sitzender BH kaschiert die Form optisch, was eine gute Lösung für den Alltag sein kann, aber keine Korrektur.
Wie wird eine tubuläre Brust korrigiert?
Die Korrektur einer tubulären Brust folgt immer demselben Grundprinzip, unabhängig vom Schweregrad. Das einschnürende Bindegewebe wird gelöst und der untere Teil der Brust entfaltet, die Unterbrustfalte wird abgesenkt und der Warzenhof bei Bedarf verkleinert und zurückverlagert. Erst darauf aufbauend wird entschieden, ob und wie Volumen hinzukommt.
Korrektur mit Implantat
Bei stärker ausgeprägten Formen oder einem deutlichen Wunsch nach mehr Fülle wird die Entfaltung mit einer Brustvergrößerung kombiniert. Das Implantat füllt den unteren Bereich und gibt der Brust eine neue Basis. Form und Größe des Implantats richten sich nach dem Befund, häufig kommen Formen zum Einsatz, die unten mehr Fülle bringen als oben. Welche Formen und Füllungen es gibt, lesen Sie in unserem Beitrag: 10 Dinge, die Sie zu Silikonimplantaten wissen sollten.
Korrektur mit Eigenfett
Bei leichteren Formen kann die Entfaltung mit Eigenfett ergänzt werden. Dafür wird Fett an Bauch, Hüfte oder Oberschenkel abgesaugt, aufbereitet und in den unteren Bereich der Brust eingebracht. Der Volumenzuwachs bleibt moderat, und ein Teil des Fetts wächst nicht an, deshalb kann je nach Befund eine zweite Sitzung sinnvoll sein. Voraussetzung sind ausreichende Fettdepots.
Korrektur mit Straffung und Warzenhofverkleinerung
Ist der Warzenhof deutlich vorgewölbt und vergrößert, wird er im selben Eingriff verkleinert und das vorgedrängte Gewebe zurückverlagert. Technisch entspricht das einer Bruststraffung um den Warzenhof. Bei Grad 1 und 2 kann dieser Schritt in Kombination mit der Entfaltung bereits ausreichen, ohne dass Volumen hinzukommen muss – ist also eine Bruststraffung ohne Implantat.
Fazit: Tubuläre Brust erkennen
Viele Frauen halten ihre Brust jahrelang für „einfach klein“ oder „etwas hängend“, bis sie zum ersten Mal von der tubulären Brust lesen und sich plötzlich darin wiederfinden. Denn eine tubuläre Brust erkennen Sie nicht an der Größe, sondern an der schmalen Basis, der hochstehenden Unterbrustfalte und dem vorgewölbten Warzenhof. Die Form ist angeboren, korrigieren lässt sie sich trotzdem. Allerdings führt weder eine reine Vergrößerung noch eine reine Straffung zum Ziel, solange das einschnürende Gewebe nicht gelöst wird. Ob danach Entfaltung und Warzenhofkorrektur ausreichen oder Eigenfett oder ein Implantat das Ergebnis ergänzen, klärt die Untersuchung im Beratungsgespräch.




